Parts Lounge: Die Zukunft des Röhren-Amps

Anzeige
Fender Princeton Combos über sieben Jahrzehnte (1959 – 2024)

Neulich beim Abendessen schwärmte ein guter Freund von seinem neuen ToneX Modeling-Amp. „Das Ding ist der Hammer”, entfuhr es ihm. Und dann: „Der Röhren-Amp ist nun endgültig tot. Hat keine Zukunft mehr! Basta.” Natürlich fühlte ich mich da nicht angegriffen. Ich hab ja im Prinzip nichts gegen Fortschritt und erst recht nichts gegen Modeling oder KI-gesteuerte Amps. Und dennoch gibt es da ein paar Überlegungen, die mir diesen Text hier wert sind.

Wie es täglich in unseren Nachrichten heißt, sind unsere Gesellschaften vor allem politisch zunehmend „gespalten”. Die einen mögen das, die anderen eben etwas anderes. Diskussionen darüber seien unmöglich, weil die Fronten verhärtet sind und jeder des anderen Meinung geradezu hasst. Und schaut man in Musiker-Foren, dann findet man ähnliche Situationen. Während die einen nur noch programmieren und profilen und sich einen Amp mit endlos vielen Sounds wünschen, vertrauen die anderen hartnäckig auf vintage Röhre. Und diese Lager scheinen geradezu verfeindet.

Anzeige

Ein Kunde sagte mir dazu neulich: „Während wir alten Rock’n’Roller sinngemäß noch mit echten Frauen schlafen, treiben es die Modeling-Typen mit Gummi-Puppen aus dem Sex-Shop.” Entschuldigt bitte den derben Vergleich, aber er verdeutlicht um was es geht. Jeder hält sich für den Hüter der Wahrheit. Die einen feiern Fortschritt und „gehen mit der Zeit”, die anderen huldigen dem Wahren, Schönen, Guten, sprich dem Röhren-Amp. Romantik gegen Cyber-Sex?

Die Fortschrittlichen feiern die Praxistauglichkeit der neuen Verstärker-Systeme, die so klein sind, dass sie auf ein Effektboard passen, die anderen geben ein Vermögen für einen alten Fender Tweed Deluxe aus oder sitzen ein Jahr im Keller, um John Mayers Lieblings-Dumble-Amp so originalgetreu wie möglich nachzubauen. Wen davon sollte ich verurteilen oder anfeinden, solange damit Musik gemacht wird?

Das scheint mir absurd. Obwohl ich seit dreißig Jahren ausschließlich an Röhren-Amps herumschraube und auch solche Konstrukte immer wieder selbst baue, habe ich kein Problem mit Fortschritt, namentlich wirklich praktischen, chipbasierten kleinen Amp-Lösungen mit zahlreichen Optionen.

MODELING FRÜHER

Mitte der Neunziger Jahre traf ich Thomas Blug in einem Tonstudio in Mannheim. Sofort fingen wir an zu fachsimpeln und irgendwann sagte ich ihm, dass ich mir einen Fußtreter wünschte, der eine Marshall-JTM45-Vorstufe nachbildet und den ich dann vor jeden beliebigen Amp hängen könnte. Thomas lächelte breit, ging raus an sein Auto und holte einen Hughes & Kettner Tubeman 1 und sagte: „Hier probier mal! Das müsste passen!”

Gesagt, getan, und seither bin ich begeistert von dieser sehr frühen „Amp- auf-dem-Board-Lösung”. Der Tubeman 1, damals der maximale Fortschritt, war seither ein treuer Begleiter, denn ich bekam mit ihm nahezu wirklich den Sound eines JTM45 aus meinem Fender-Amp. „Kein Wunder”, erklärte mir Thomas, „denn dieser Preamp hat exakt das Voicing, das du suchst – plus ein paar Optionen.”

Thomas arbeitete damals für das saarländische Unternehmen als Berater, Vorführer und Ideengeber. Und die waren damals wirklich fortschrittlich. Sie erfanden nicht nur den Tubeman, sondern auch die sogenannte Cream-Machine oder das Rotosphere, das auch heute noch Profis wie Bonamassa oder Warren Haynes auf ihren Boards haben. Jeff Beck hatte auch eins. Konkurrenten waren damals der durch David Gilmour berühmt gewordene Chandler Tubedriver und später der ähnlich aufgebaute Mesa Boogie V-Twin. Eine wahre Revolution für User, die sich endlich eine Alternative zum Boss DS-1 oder Tube Screamer wünschten. So wie ich.

Thomas sagte mir vor einigen Jahren, dass der Tubeman 1 ein Wegbereiter für seinen BluGuitar Amp 1 gewesen sei. Kein Wunder, das so etwas gut ankommt. Ende der Neunziger setzte Line 6 mit dem „Pod” einen ähnlichen Trend in Gang und kurz darauf folgte das Fractal-Audio-System, dass sich noch professioneller und vielseitiger gab. Alle hatten jedoch zum Ziel, möglichst originalgetreu die Sounds von berühmten Röhren-Amps nachzubilden. Das fand ich damals schon ein bisschen schade, denn man hätte sie ja auch nutzen können, um völlig neue bisher unbekannte Gitarrensounds zu kreieren.

Dann kam der Kemper-Amp und revolutionierte die Verstärker-Welt wie kein anderer. Obwohl ich ein unbeirrbarer Röhren-Amp-Fan bin, kann ich nur sagen „Hut ab” vor so einer wegweisenden Entwicklung. Noch dazu Made in Germany. Heute steht in beinahe jedem Studio auf der Welt so ein Teil und unzählige Musiker nutzen den Kemper live und zuhause für Aufnahmen.

Die Idee dahinter? Man profiled seinen Lieblings-Amp oder gleich mehrere davon und kann sie jederzeit und vor allem in jeder Lautstärke abrufen. Gitarrensounds steckten jetzt endgültig in Rechnern und Algorithmen. Auch Thomas Blug hat solche Geräte damals ausgiebig probiert, blieb aber bei seiner Ansicht, dass das ganze analog bleiben sollte und entwickelte schließlich seinen Amp 1, der einen analogen Gitarren-Amp nun im Fußtreter-Format bot.

Nach etlichen Jahren, in denen Kemper und Fractial Audio praktisch konkurrenzlos den Markt beherrschten, kamen parallel zum Amp 1 zahlreiche Board-Amps gleichzeitig auf den Markt. Natürlich auch von Yamaha oder Mooer. Heute wird der Markt davon regelrecht überschwemmt. Auch Fender und Marshall bauen mittlerweile auf digitale Modeling-Technik.

Es scheint fast wie in den Sechzigern, wo jeder, der einen Lötkolben halten konnte, einen Röhren-Amp bauen wollte. Doch eigentlich sind die Marken, die da um die Gunst der „Hobby”-Gitarristen wetteifern, heute noch zahlreicher. Und sie schauen voneinander ab. Blackstar soll gar einen BluGuitar Amp geklont haben. „Geheimagenten und Whistelblower” kommen ins Spiel, so hart wird um jeden Dollar gekämpft.

RÖHRE WAR GESTERN?

Gleichzeitig befinden sich derzeit die Preise für alte Vintage-Amps im Sturzflug. Will die jetzt keiner mehr haben? Waren die nicht in den letzten Jahren sowieso viel zu teuer geworden? Ich sehe da Dumble-Overdrive-Special-Amps für 250.000 bis über 400.000 Dollar im Netz. Sind die jetzt bekloppt? Ein Tweed Deluxe – meinen ersten eigenen hab ich 1992 in Londons Denmark Street für 400 Mark gekauft – sollte letztes Jahr noch über 10.000 Dollar kosten. Mittlerweile ist aber auch diese Blase geplatzt.

Innenleben eines 1959 Fender Tweed Deluxe

Diese Amps haben vielleicht 12 bis 15 Watt, einen Volume- und einen Tone-Regler, und that’s it. Außerdem gibt es mittlerweile ebenfalls mindestens gefühlte 400.000 Repliken dieser Amps, meine eigenen eingeschlossen. Es gibt auch gefühlte 100.000 Dumble-Klone von allen möglichen Anbietern und jeder will der Beste sein. Wenn man John Mayer als Zugpferd hat, kann man 6.500 Euro dafür verlangen, wenn nicht, dann vielleicht 3.500 Euro. Aber welcher Musiker soll, will, und kann sich das leisten?

Ist ja schön und klingt auch ganz toll, wenn Joey Landreth seine Slides über den eigens für ihn entwickelten Two Rock erklingen lässt. Aber muss der dafür bezahlen? Und wenn ja, kann der sich das eben auch leisten. Den weniger betuchten Musikern bleibt dann nichts anderes übrig, als sich im Netz ein Profile von diesen Sounds zu kaufen und in ihren Kemper oder ToneX zu laden.

Macht das dann Spaß? Im ersten Moment vielleicht schon. Aber schon als sechsjähriger musste ich mich über das sinnentleerte Sammeln von Fußballbildern wundern, nur um das Album vollzukriegen. Ich war dann sogar noch überrascht, dass die erwartete Genugtuung ausblieb, als es endlich komplett war. Und so ist es mit dem Sammeln von Soundfiles. „Wer hat mehr?” „Was, du hast das aktuelle 2024er Setup von Bonamassa geladen? Hendrix’ Woodstock-Sound, Stevie Lukathers ‚Rosanna’-Setup oder John Mayers ‚Gravity’? Her damit, aber sofort!”

Nebenbei explodiert eine ungeheure Flut von Fußtretern. Sind es nur Millionen oder schon Milliarden? Gefühlt sind es Trilliarden… Im Fernsehen kommt sowieso nix, also schaut man abends die Pedal-Show mit Mick und seinem Partner und darf sämtliche clones vom echten Klon Centaur Pedal anhören. Alle geil, und vor allem günstiger als ein Original. Dazu noch unzählige Delays, Booster, Fuzzfaces und oft komische Noise-Macher jeglicher Coleur. Nur Musik machen die nie damit, sondern klampfen rum, nicken begeistert und freuen sich scheinbar über jede Note.

Ich habe bereits Kunden, die Vintage Amps kaufen, nur um sie zu profilen. Danach werden sie sofort wieder verkauft. Ich selbst habe da bereits jegliche Orientierung verloren. Ich hab nur einen Tubescreamer und einen Tubeman 1, und das schon seit der gefühlten Steinzeit. Irgendwie haben die immer gepasst und ich spiele schon lange nicht mehr in bestimmten Projekten, wo mehr Sounds gefragt wären.

Ist angesichts dieser unübersichtlichen und mit technologischer Lichtgeschwindigkeit fortschreitenden Marktvielfalt der Röhren-Amp nun wirklich tot? Ich glaube kaum. Und schon wird da geflüstert, dass sich da bald eine Kehrtwende in Richtung „neue Einfachheit” ankündigt. Es bleibt spannend, mehr dazu natürlich in der nächsten Ausgabe.

(erschienen in Gitarre & Bass 01/2025)

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Die Leute sind alt genug. Es ist ihr Leben. Sie müssen wissen was sich zulegen und was nicht. Der Preis-/Leistung-/Kosten-/Nutzenfaktor ist ein Thema, bzw. was man sich für sein hart erarbeitetes Geld leisten möchte und kann. Wenn es für einen selbst passt, dann ist doch alles super. Was die anderen machen nur Nebensache. Optisch muss es ebenfalls passen. Das Auge spielt schließlich mit. Vielleicht ist das alles auch so ein Generationen-Ding. So lange ich glücklich und zufrieden mit meinem Gear bin passt es für mich. Freude den Fischen im tiefen, blauen Meer. Freude auch dir und mir.

    Auf diesen Kommentar antworten
  2. Für mich gibt es einen wesentlichen Aspekt, der im Amp this/Modeler that-Diskurs kaum auftaucht, obwohl er für viele Gitarrist:innen entscheidend ist:
    Der Bedarf, unterschiedliche Sounds – und zwar nach eigenem Geschmack – produzieren zu wollen oder zu müssen.
    Die Zeiten, dass ich klingen wollte, wie irgendwer, sind vorbei.
    Ich spiele Jazz, Latin, Blues, Rockjazz, Funk, Rock, American Songbook und Pop, d.h. ich mach Musik.
    Seit kurzem mit einem Boss GX-10 Modeler über einen Fender Tonemaster 12FR, mit verschiedenen Semi Hollow Bodies, Tele, Elektroakustik und einem Strat-Klon.
    Mit meinem Equipment kann ich die gesamte Soundkette vom Plektrum, Gitarre, Kabel, Modeler, FR-Speaker bis zum Ohr gestalten und dabei auf 3 Ebenen aktiv jederzeit elektrisch und digital parametrisieren, bis ich den Sound habe, den ich will und der in der jeweiligen Umgebung zu dem jeweiligen Song passt.
    Ich kann Frequenzen equalizen, Impedanzen beeinflussen, Resonanz, Tiefe, Reverb, Presence u.a. fein skaliert bestimmen, usw usw und muss dabei immer wieder mein Gehör befragen und differenzieren.
    Diese Gestaltungsmöglichkeiten bei gleichzeitiger Herausforderung, meine musikalische Expertise und mein Hören (!) weiter zu entwickeln, kann ich mir mit einem klassischen Equipment nicht vorstellen.
    Ich kann jeden verstehen, der es anders macht.
    Im Übrigen sehe ich voraus, dass in 2-3 Jahren überwiegend und optimal mittels KI die Soundantworten gegeben werden. Und zwar nach individuellen musikalischen und akustischen Wünschen.
    Wer dann noch mit dem Lötkolben gerne an Platinen rummachen will, soll es unbedingt tun. Ist ja sein Ding. Und das ist nicht besser oder schlechter als meins.

    Auf diesen Kommentar antworten
    1. Besser… WAS ist denn besser? Und WER BESTIMMT, was besser ist?

      Hey Joss, no offense: Das was du beschreibst, ist genau das, was mich dazu bewegen würde, die Gitarrre sofort ad acta zu legen: Ich hatte mal, Anfang der 90er, so ein “Zoom 9030” Multieffekt – die Aufnahmen von damals bringen mich heute noch zum cringen (sind mir peinlich), denn sie bringen Erinnerungen zurück an stundenlanges Rumgeschraube (“mehr 250 Hertz!”) mit frustrierendem Ergebnis: Ich habe wohl nie schlechter geklungen als mit dieser Parameterschleuder!
      Also war für mich die “Rack”-Zeit nach ca. einem Jahr auch schon wieder vorbei. Umgesattelt auf HIWATT-Combo, Zerre & Wah (oha, ein Stimmgerät gab’s auch noch) war ich eine ganze Zeit der wandelnde Anachronismus…
      Und genau in dieser Zeit ergab sich ein Gig mit einer anderen lokalen Band, deren Leadgitarristen ich vergötterte: Spieltechnisch unglaublich raffiniert, und erst sein Sound…! Natürlich aus Quadraverb, JMP-1, Boogie Rackendstufe und noch ein paar Geräten – Irgendetwas schien er richtig zu machen, was mir einfach nicht gelingen wollte…
      Nachdem meine damalige Band den 1. Slot bespielt hatte, geschah etwas seltsames, das ich nie vergessen werde: Der “Über-Gitarrist” von den Kollegen kam dermaßen hektisch angelaufen, mit roten Kopf und außer Atem, dass ich wirklich dachte: “Entweder klappt er jetzt zusammmen – oder hier gibt’s gleich Keilerei!”
      Aber es kam anders…
      Er: “Wie machst du das?!”
      Ich: “Was meinst du?”
      Er: “Dein Sound war absolut umwerfend – WOHER kam der?”

      Naja: HIWATT Combo, Zerre, Wah… und so ist es bis heute. Nur dass aus dem HIWATT ein ORANGE wurde…

      Meine Wahrheit ist, dass ich Gitarre spiele. Eines der Instrumente mit den meisten Möglichkeiten, den Ton spieltechnisch zu manipulieren! Und wenn ich Sch*** klinge, liegt’s nicht am Gear – sondern an mir.

      Zum Ende: Joss, ich werde immer Musiker wie dich bewundern. Und das ist vollkommen ernst gemeint. Denn wo du offensichtlich zielgerichtet den/die relevanten technischen Parameter identifizieren & zur Soundverbesserung nutzen kannst, kann ich mich in (für mich!) zu viel technischer Möglichkeit nur verlieren…

      Moral? Na, wenn’s eine gibt, dann (für mich) nur diese hier:
      Es ist sch***egal, wie du zu deinem Sound kommst. Wichtig ist, dass du dich mit diesem Sound wohlfühlst – denn dann speilst du am besten.
      Und darauf kommt’s an. Also mir zumindest!✌️😉🏴‍☠️

      Auf diesen Kommentar antworten
  3. Eine Sinn- und Geschmacksfrage.
    Für mich ist mein uralter Laney LC 30 Röhrencombo mit einem geil klingenden Celestion Speaker noch immer das Non Plus Ultra. Jedoch hat es für mich Sinn ergeben, einen NUX Trident Modeler dazu zu kaufen – anstelle eines Effektboards mit haufenweise Bodentretern drauf. Das Teil lässt sich super programmieren, klingt fantastisch und hat fast alle wichtigen Effekte in einer beeindruckenden Qualität an Bord. Das Design ist Bodentretern angepasst und verdammt gut durchdacht. Sollte der Laney im Liveeinsatz mal schlapp machen, hat man sofort einen Modeller parat, der den Gig rettet (habe eine Bank mit Effekten für den Laney und eine Bank inkl Amps für den Notfall eingerichtet). Somit ist beides in Kombination (Röhre aus der Steinzeit und Modeller aus der Neuzeit) ein perfektes Setup.

    Auf diesen Kommentar antworten
  4. Hyped doch was ihr wollt.
    Solange ich spielen kann was ich will ist mir egal worüber sich Andere die Köpfe heißreden.

    Von der Seitenlinie betrachtet ist das Ganze manchmal ziemlich amüsant.
    Vor allem Geräte mit Alibi-Röhren, die lediglich als Marketinggag für die Röhrenjünger dienen und absolut nichts zum Klang beitragen.

    Wer erinnert sich nicht gerne an die jubelnden Testberichte über den H&K Tubefactor der nur wegen seiner “300V Röhre” so extra cremig klingt.
    Wer sich die Schaltung mit Sachverstand ansieht, der weiß, dass die Röhre da völlig linear betrieben wird und die eine Handvoll Siliziumdioden clippen.

    Und auf der anderen Seite die Digitalfraktion, die vor lauter Soundfrickelei nicht mehr zum Spielen kommt.

    Tipp für beide Teams: Wenns “gut genug” klingt einfach aufhören mit dem Basteln und die Gitarre in die Hand nehmen.

    Auf diesen Kommentar antworten
  5. Fantastischer Vergleich: Röhrenverstärker=Frau, Modelling=Gummipuppe .
    Einfach mal an die Luft gehen und einatmen nicht vergessen.
    Fremdschämen zum Quadrat, setzen, 6.

    Auf diesen Kommentar antworten
  6. Klasse Kolumne, weil sie nicht nur schwarz oder nur weiß frönt, sondern alles zulässt. So muss es in der heutigen Zeit wohl auch sein. Ich selbst spiele seit 55 Jahren aktiv Gitarre und habe die Wechsel von einfach bis digital komplex mitgemacht. Mein erster „Modeller“ war ein Tom Scholz Rockman in den 80ern, der konnte nur den begehrten Boston-Rocksound, aber war damit der erste Übe-Amp. Dann die Bohne von Line 6, Kemper, Fractal, Boss, Neural DSP, Fender Tonemaster, ToneX… Ich habe sie alle aus Neugier ausprobiert und beobachte die rasante Entwicklung mit Interesse und aus der praktischen Notwendigkeit. In einer Cover-Band benötige ich 17 verschiedene Sounds, um jeweils authentisch zu klingen. Das bekomme ich mit einem Röhrenamp und zig Pedalen nicht so gut hin wie mit einem solchen Modeler. In meiner anderen Band (selbst gemachter Hardrock) spiele ich mit Genuss einen Röhrenamp mit 2 Boxen, aus dem ich mit wenigen Pedalen meine 5 benötigten (geilen) Sounds (sagt das Publikum) erzeuge.
    Für Blues-Sessions liebe ich einen fantastischen Röhrenamp mit nur einem Pedal und großer Dynamik-Bandbreite mit dem Volumenregler der Gitarren.
    So bewege ich mich in beiden Welten und bin mit beiden sehr zufrieden. Und das ist aus meiner Sicht die Hauptsache. Habt Spaß an und mit dem, was Ihr wollt! Rock’n’Roll!

    Auf diesen Kommentar antworten
  7. Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich zu allen möglichen Themen hartnäckiges Gatekeeping entwickelt. Als ich mit Gitarre Spielen angefangen habe, war das Thema Röhre vs. Transistor. Heute werden die selben Diskussionen zu Röhre vs. Modeler geführt.
    Ich selbst benutze beides. Modeler und Plugins zum schnellen aufnehmen von Ideen und einen Röhrenamp mit klassischer Mikrofonierung zum recorden.
    Beides hat seinen Reiz und in beiden Welten kann jeder seinen persönlichen Einsatzzweck finden.

    Was allerdings nach wie vor ein Fakt bleibt ist: Modeler können, so gut sie auch mittlerweile klingen, nach wie vor nichts anderes als Nachbildungen des Sounds eines echten Röhrenamps erzeugen. Sind also letztendlich nur Kopien eines Originals.
    Manchmal frage ich mich, was denn wäre, wenn eines Tages die Produktion von Röhren überall auf der Welt eingestellt wird. Wird dann ein bestimmter Modeling-Algorithmus zum neuen “Original”?

    Auf diesen Kommentar antworten
  8. Vorab: ich bin kein Gitarrist, kann kein Instrument (richtig) spielen, aber ich mische öfter mal Live-Bands.
    Ein Freund von mir ist ein begnadeter Gitarrist in einer Band, die sehr authentisch (m.E. besser, als das Original) eine bekannte australische Rockband covert. Sein Setup war früher Gibson SG + Marshall 50 Watt + Fake-Marshallboxen für die Optik. Seit einiger Zeit spielt er Gibson SG + Kemper + eine aktive 300 W-Gesangsbox vom großen T.
    Klingt daheim sicherlich sehr nett, aber schon in kleineren Sälen fehlt es live an jeglicher Dynamik.
    Keine Ahnung, ob die Gesangsbox mehr Wumms braucht, der Kemper ausbremst oder ob der Sound sonst wo in der Kette an Druck verliert.
    Der Gitarrist mag den Sound vom Kemper, auch weil er einfacher in der Handhabung ist und er nicht mehr so viel schleppen muss. Für meine Ohren war das Marshall-Setup die Krönung.

    Auf diesen Kommentar antworten
  9. Ich spiele seit 40 Jahren und suche noch immer den einen – meinen – Sound. Mit diesem spiele ich alle Konzerte. Und das macht Spaß.

    Auf diesen Kommentar antworten
  10. Ich bin auf meiner ewigen Suche nach dem Heiligen Gral des Gitarrenamps auch mal der Versuchung erlegen und habe mir den Line6 Helix LT zugelegt. Macht Zuhause richtigen Spass, auch mal im Studio aber irgendwie habe ich das Gefühl das es einen irgendwann mal total langweilt. Zu viele Sounds plus live über einen Mixer und Monitor spielen? Nee, das passt einfach nicht. Das Gute an den Dingern ist, das man mal hören kann wie ein Boutique-Amp klingt, wer kann schon mal einen Friedman oder einen Bogner testen. Aber ich bleib bei meine Marshalls.

    Auf diesen Kommentar antworten
  11. Röhre, Modeling, Transistor…
    Lasst doch dem Bluespuristen seinen Tweed- oder Marshall-Combo.
    Der Top40- / Tanzmusiker freut sich über die Soundvielfalt seines Kemper o.ä. gelagerten Modeling-Amps, weil er alle benötigten Sounds per Fußschalter abrufen kann.
    Und der Hardrocker oder Metallfreak liebt den Druck seines Marshall-Turmes.
    Und alle haben Spaß an Ihrer Musik.
    Ich selber gebe meinen Transistor-JC 40 nicht mehr her, weil Stereo verkabelt, Ultra Clean und dieses Ping-Pong Delay…
    Muß doch nicht aus allem ein Dogma gemacht werden.
    Und es soll ja gerüchteweise auch ziemlich lebensechte Gummipuppen geben,(sorry, den konnte ich mir nicht verkneifen), aber darüber würde ich gerne mal was in der Rubrik “Till&Tone” lesen.

    Auf diesen Kommentar antworten
  12. Bin zwischenzeitlich beim DV Mark 50 (der Hellblaue) gestrandet, obwohl ein Tweed Deluxe Klon, ein Brunetti Singleman und ein PCL Stagemaster zuhause stehen.
    Was soll ich sagen … analoge Technik auf höchstem Niveau über MosFet, fetter Cleantone, nimmt jeden Treter an und verfügt zusätzlich über einen wunderbar abgestimmtes Digitalreverb und einen sehr röhrigen Leadkanal. Passt in jeden Rucksack. Hab mir gleich Zwei gebraucht für jeweils um die 150 Euro geholt. Sind einfach immer dabei. An meiner PCL Box mit zwei Neos geht die Sonne auf.

    Auf diesen Kommentar antworten
  13. Ich mag: Meinen Engl Thunder, mein voll analoges Pedalboard, an Potis drehen und meine Fender Vintera Telecaster. Und dann mit meiner Band Mucke machen.

    Ich mag nicht: Patches runterladen, in Menüs herumnavigieren und programmieren und mir die ganze Zeit denken es könnte noch bessere Patches geben…

    Jeder wie er mag. Ich finde es aber klasse, dass es heutzutage diese riesige Auswahl gibt und Röhrentechnik auch günstig geworden ist, vor allem gebraucht kann man sich wegen der geänderten Nachfrage mittlerweile Amps leisten die vor Jahren nur ein Traum gewesen wären.

    Auf diesen Kommentar antworten
  14. Ähem…

    Sehr geehrter Herr Pipper, lieber Udo,

    In der Vergangenheit habe ich deine Artikel hier in den Kommentaren kritisiert, und dies mitunter durchaus deutlich. Auch gebe ich hiermit öffentlich zu, dass ich beim Titel “die Zukunft des Röhrenamps” aus deiner Feder zuerst abermals dachte: “Auweia, das wird garantiert wieder metaphysisch!”.

    Und dann lese ich einen Artikel, der klar analysiert. Griffige Metaphern liefert (die “Gummipuppen” hätte ich dir, ehrlich gesagt, nicht zugetraut). Der die “Baustelllen”, die technische Entwicklung, und kritische Punkte aufzeigt.
    Und der am Ende kein Urteil fällt, keine Metaphysik ins Spiel bringt, keine “Lösung” liefert…

    Und diese Offenheit von dir, obwohl du sicherlich starke eigene Interessen und eine starke persönliche Meinung zum Thema haben musst (schließlich verdienst du deine Brötchen damit).

    Das (so wie auch deinen Artikel) finde ich großartig und finde auch, dass dir dafür Respekt gebührt! Ich bin “nur ein Leser” & meine Meinung nicht besonders wichtig. Aber vielleicht freut es dich, dass ein ostwestfälischer Stoffel deine Artikel in Zukunft differenzierter lesen wird, als er das eventuell in der Vergangenheit getan hat.

    BITTE MEHR DAVON! Und: DANKE.

    Auf diesen Kommentar antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.