Jeff Beck at Christie’s

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HIGH NOON @ CHRISTIE’S

Kurz vor zwölf Uhr mittags, treffe ich dann am nächsten Morgen beim Auktionshaus Christie’s in der King Street ein, wo sich vor dem Eingang eine kleine Schlange von ca. 20 Leuten gebildet hat, die artig auf den Einlass wartet.

Der wird dann auch pünktlich um 12:00 gewährt und alle gehen sehr gemächlich in das beeindruckende Gebäude. Nur noch eine Treppe hoch und – angekommen.

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Der erste Eindruck – Schnappatmung! Ich hatte eigentlich gar keine richtige Idee, was mich wohl erwarten würde. Jeff Becks Instrumente… Nun ja, die „kennt” man halt von Fotos, Artikeln, Büchern, Konzerten, YouTube usw.

Durch die Jahrzehnte wechseln dann schon mal die präferierten Gitarren: Die Oxblood-Les-Paul, in den 80ern die Jacksons und ab 1989 dann fast ausschließlich Fender-Strats. Man kennt sie irgendwie. Mal hier eine aufm Bild, dort mal eine andere …

Hier sind sie ALLE. Alle unter einem Dach. Vollständig. Unfassbar! Und zum Greifen nah …

EIN TRAUM IN OXBLOOD-ROT

Man kommt in den ersten Ausstellungsraum und der Blick geht nach links. Das kann doch wohl nicht wahr sein – direkt am Anfang des Ausstellungsbereichs hängen sofort die beiden weißen Teles (eine Custom Shop von 2006 und seine Lieblings-Tele aus den 1950er-Jahren), eine weiße Strat aus der „Wired”-Album-Zeit, die Yardburst und seine Lieblings-Strat von 1954/57, die man von Events und Tourneen aus den 1980ern kennt.

Becks 1950er Lieblings-Tele
Die Yardburst
Becks 1950er Lieblings-Strat

Die Gitarren hängen dort wie in einem Musikgeschäft. Keine Glaskästen, keine Absperrungen, nichts dergleichen. Unfassbar. Lediglich mit Schlössern gesichert, damit man sie nicht vom Haken nehmen kann. Ich bin sprachlos.

Und niemand vom beeindruckend freundlichen Christie’s-Personal zuckt auch nur mit der Wimper, wenn man sich die Instrumente genau und SEHR nah ansieht (und vielleicht mal an ihnen riecht. Sorry, ich bekenne mich an dieser Stelle zu meinem Freaktum).

Marshall- und Fender-Amps
Der Guitar Shop Fender Princeton II Amp

Im nächsten Raum dann die meisten Amps. Überwiegend halbwegs moderne Marshalls, alle noch mit Einstellungsmarkierungen etc. Hier fällt mir besonders auf, dass das Ganze gar keinen Charakter einer Verkaufsveranstaltung hat. Nein, hier werden das Werk und die Werkzeuge eines der ganz Großen zelebriert.

Überall laufen mit einem exquisiten Sound Musik Jeff Becks, Konzertvideos, hängen großflächige Fotos und es gibt Bildprojektionen. Eine nicht nur optisch sehr gelungene Präsentation und Inszenierung eines Ausnahmekünstlers – vornehmlich in Oxblood-Rot. Toll.

Der 80ies Raum (Bild: Peter Fischer)

Ein weiterer Raum ist den 1980ern gewidmet – dort hängen die 1960er-Jahre Guitar-Shop-Strat, die pinke Tina Turner-Jackson und eine weitere knallorange Jackson Soloist. Die pinke TT-Jackson ist schon immer mein Lieblingsinstrument Jeff Becks. Meine Güte hat die eine tolle Ausstrahlung.

Die 1960er-Jahre Guitar Shop Strat
Pickup- und Tremolo-Setup
Die Rückseite der Guitar Shop Strat, Ser# 106605
Die Tina Turner Jackson Soloist
Low string action
Ser# J0028
Tina Turner hat hier ihren Namen eingeritzt
Tina und so ein Typ aus Deutschland

Der nächste Raum birgt jedenfalls für mich einige Überraschungen. Zahlreiche unterschiedliche Prototypen eines niemals in Serie gegangenen Ibanez-Signature-Modells, Roland-Gitarren-Synths, Lapsteels und ein Sammelsurium an günstigen Unikaten.

Roland-Gitarren-Synths und Ibanez-Prototypen

Dann der wohl so gedachte Mittelpunkt der Ausstellung: auf einer kleinen Bühne stehen die drei Juwelen der Auktion. „Anoushka” eine weiße 1990/1993 Custom Shop Stratocaster, die JBs Hauptinstrument in den Jahren 1999 bis 2014 war.

"Anoushka“
Die Oxblood Les Paul
Die Tele-Gib „Syreeta“

Daneben die legendäre 1954er Oxblood-Les-Paul und rechts „Syreeta”, die von Seymour Duncan gebaute Tele-Gib-Telecaster mit der Beck „Cause We’ve Ended as Lovers” eingespielt hat.

Zusammen mit drei Pedalboards unterschiedlicher Größe sind sie auf einer kleinen Bühne auf Autorädern inszeniert, zusammen mit einigen Amps vor einer Leinwand, auf der das legandäre „Live At Ronnie Scotts”-Konzert in Dauerschleife läuft. Diese drei Instrumente sind die einzigen, die hinter einer Art Absperrung in Form einer Kordel stehen.

Der Rundgang endet dann auf der rechten Seite des Eingangsraums in dem noch zahlreiche, aber eher unbedeutende Instrumente ausgestellt sind.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Interessante Geschichte! Bei diesen Auktionspreisen wird jedem Gitarristen zweifellos richtig schwindelig. Da zieht ja doch eindeutig der „Promi-Bonus“ völlig in die Höhe. Kurioserweise wurden hier etliche Gitarren mehr oder weniger stark von ihren ehemaligen Promis modifiziert,was zwar absolut nicht mehr dem einstigen Originalzustand entspricht,-jedoch in gewisser Art und Weise die Eigenart und Vorliebe des prominenten Gitarristen dokumentiert! Ob die dafür ersteigerten hohen Preise gerechtfertigt sind,bleibt mal dahingestellt. Vermutlich verschwinden diese Gitarren aber leider mal wieder im Tresor,und fristen vor der Öffentlichkeit verschlossen zukünftig ihr trauriges Dasein bei ihren superreichen Besitzern. Fakt: Gitarren wurden dazu erschaffen,um ausgiebig und mit Freude gespielt zu werden!

    Da bin ich doch sehr froh darüber,daß ich persönlich einige alte gebrauchte E.-Gitarren im guten Original Zustand von versierten Gitarristen kaufte,die zwar gänzlich ohne „Promi-Etikett“ privat veräußert wurden,-aber trotzdem sehr gut klingen und obendrein sogar (noch) bezahlbar waren.

    Aber,sehr gesuchte alte Custom made Gitarren-Raritäten werden in Zukunft sowieso noch im Preis steigen,weil sie eben noch aus damalig qualitativ hochwertigen Hölzern und Hardwareteilen in überwiegend geringeren Stückzahlen gefertigt wurden. Bestes Beispiel sind hier z.B. alte E.-Gitarren (Starfield/made by Ibanez,Stagg/Japan,Greco,Tokai und Burny) aus Japan,die bei Fujigen-Gakki in den frühen 1990er-Jahren gebaut wurden! Erstaunlich dabei,daß sogar das bis heute existierende Label Stagg damals sehr hochwertige E.-Gitarren mit durchgehendem Hals in der Doublecut-Version in Japan bauen ließ,die bis heute nur echten Insidern bekannt sind,und extrem selten gebraucht zu finden sind! Schade,daß man hier leider keine Fotos hochladen kann,denn ich besitze solch eine besagte alte Stagg Gitarre (made in Japan) die ich vor etwa 12 Jahren im Originalzustand von einem privaten Sammler erwerben konnte.

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    1. Die heutigen professionellen Gitarren von Fender, Gibson etc. werden auch aus hochwertigen Hölzern und Hardwareteilen gebaut. Schon allein der Konkurrenz wegen. Die wissen doch wie man das macht, sowas gerät doch nicht in Vergessenheit. Es fehlt halt der Voodoo, den manch einer sich erhofft.

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  2. Ja, wirklich interessant. Ich war vor paar Monaten eine Woche in London zum Fotografieren, und ärgere mich jetzt, dass ich nicht auf die Idee kam ein paar dieser Gitarrenläden besucht zu haben.
    In Netz gibts ein Video bei JB zu Hause aufgenommen, er zeigt dem Interviewer seine Lieblings Tele und der Interviewer macht den Eindruck als wolle er die Tele berühren, als JB ganz entsetzt ruft: “Don`t touch it” Der Interviewer: “I just want to look at it”. Beck ganz ernst und eindrücklich” Even don´t lock at it.” Herrlich

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  3. Vielen Dank für diesen coolen Bericht. Sehr interessant. In eurer Einleitung habt Ihr wieder einmal die üblichen verdächtigen Gitarrenikonen aufgelistet. Eine Wiederholung ist an dieser Stelle unnötig. Wieder einmal, fast wie immer, habt Ihr den Gitarrenhelden des Volkes, Rory Gallagher, vergessen. Die Rory Gallagher-Sammlung wurde am Donnerstag, den 17. Oktober bei Bonham’s in London online versteigert. Das als Randnotiz. 😉

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  4. Vielen Dank für den anschaulichen Bericht auch was die Londoner Gitarrenläden anbetrifft. Glücklicherweise habe ich den Auktionskatalog von Christies ergattern können. Die von Jeff Beck bevorzugt genutzten Gitarren sind optisch tatsächlich in einem sehr strapazierten Zustand, das gilt auch für die Pedalboards. Wahrscheinlich waren das alles reine Arbeitswerkzeuge für ihn und leine ” Kultobjekte” so wie für uns Gitarren- und Gearfreaks

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