Libero Tele
Test: Fender Player II HH Telecaster
von Christian Braunschmidt, Artikel aus dem Archiv
(Bild: Dieter Stork)
Mit der Player II Serie hat Fender nicht weniger als eine seiner wichtigsten Serien einer Generalüberholung unterzogen. Seit jeher hatte man es hier mit ziemlich kompromisslosen Arbeitstieren zu tun, von denen man viel Gitarre für vergleichsweise wenig Geld erwarten durfte. Was hat sich also geändert?
Im Kern hat sich gar nichts verändert. Nach wie vor bietet die Player-II-Serie beeindruckend hochwertige Instrumente zu einem Preis, der zwar nicht im Einsteigerbereich angesiedelt ist, aber dennoch für viele Musikerinnen und Musiker erschwinglich sein sollte – ohne Haus und Hof verpfänden zu müssen. Wie so oft steckt der Teufel im Detail: Fender hat ordentlich nachgelegt und den Player-II-Instrumenten das eine oder andere neue Feature spendiert.
Rückblickend waren vor allem die Druckguss-Tuner und die etwas konservative Farbwahl in die Jahre gekommen – zwei Aspekte, derer Fender sich angenommen hat. Zum Testen habe ich eine Telecaster mit zwei Humbuckern bekommen, die in einem wirklich hübschen Aquatone-Blau lackiert ist. Diese Farbe erinnert mich sofort an amerikanische Autos und Kühlschränke der 50er-Jahre.
KLASSISCHES BRETT
Grundsätzlich gilt auch für unser Testinstrument: Eine Tele ist eine Tele ist eine Tele. Egal, welche und wie viele Pickups in den Korpus geschraubt werden – am Look und Feel dieser Mutter aller E-Gitarren ändert sich erst einmal nichts. Der deckend lackierte Erlenkorpus wurde auf der Rückseite mit einem großzügigen Shaping für die Plautze versehen, kommt aber ohne Abflachung der Zarge aus. Lediglich eine leichte Verrundung der Kante sorgt dafür, dass der rechte Unterarm nicht über Gebühr strapaziert wird.
Der sauber eingepasste und vierfach verschraubte Ahorn-Hals ist ebenfalls deckend lackiert, jedoch in einem seidenmatten Finish gehalten, das so dünn aufgetragen ist, dass man durchaus noch ein Gefühl für das Holz bekommt. Ich bin mir sicher, dass bereits wenige Jahre ausgiebigen Spielens ausreichen werden, um dem Instrument Patina und damit mehr Persönlichkeit zu verleihen.
Für ein angenehmeres Spielgefühl sorgen die sorgfältig verrundeten Griffbrettkanten, die der Player-II-Tele ein wenig das Gefühl eines „eingespielten” Instruments verleihen. Bemerkenswert finde ich die Wahl des Griffbrettmaterials: Wurden bei der alten Player-Serie in den letzten Jahren vor allem Hölzer wie Pau Ferro oder Ahorn verwendet, so finden wir bei der Player II-Serie erstmals wieder echte Palisander-Slab-Boards – ein Detail, das die Herzen von Vintage-Fans höher schlagen lassen dürfte.
(Bild: Dieter Stork)
Eine deutliche Verbesserung gegenüber der alten Player-Serie sind die neuen Mechaniken: Waren die alten Druckguss-Tuner nicht gerade ein Freudenfest, so geben die nun verbauten Classic-Gear-Mechaniken keinen Grund zur Klage. Sie ermöglichen ein sauberes Stimmen und überzeugen durch eine authentische Vintage-Optik. Der verschraubte Blech-String-Tree mag optisch nicht die vornehmste Lösung sein, fügt sich aber stimmig in das Gesamtbild ein.
Eine klare Abweichung von der klassischen Telecaster finden wir in der Brückenkonstruktion: Hier kommt nicht die übliche Tele-Ashtray-Bridge zum Einsatz, sondern die klassische Fender-Hardtail-Bridge, die wir bereits von einigen Strat-Modellen kennen. Die sechs einzelnen, gebogenen Stahlreiter ermöglichen eine präzise Intonation der Saiten und führen diese sauber durch den Korpus über die Polepieces der beiden Tonabnehmer.
Das dreilagige, weiße Schlagbrett und die typische Tele-Schaltzentrale mit Master-Volume- und Master-Tone-Regler sorgen für einen klassischen Look und schlagen gekonnt die Brücke zur Vergangenheit des Herstellers. Der größte Unterschied zur klassischen 50er-Jahre-Tele ist jedoch die Tonabnehmer-Bestückung: Anstatt zweier Singlecoils kommen hier zwei Alnico-II-Humbucker mit verchromten Kappen zum Einsatz.
Rein handwerklich konnte ich an unserer Testgitarre absolut keine Mängel feststellen und bin wieder einmal erstaunt, welch tolle Arbeit in der mexikanischen Produktion von Fender mittlerweile geleistet wird.
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