(Bild: Kevin Nixon)
Der Wolfsburger Sascha Paeth ist nicht nur als einer der meistgefragten deutschen Metal- und Rock-Produzenten bekannt, sondern auch als erstklassiger Gitarrist, der seit Gründung der weltweit operierenden Hardrock-/Metal-Allstar-Truppe Avantasia ebenso zu deren Tour-Line-Up gehört.
Seine Karriere hat der 54-Jährige einst als Gründer und musikalischer Kopf der Melodic-Metal-Band Heavens Gate gestartet, sich ab den frühen 1990ern aber zunehmend häufiger einen guten Namen auch als Produzent mit eigenem Gate Studio gemacht. Hier betreut Paeth als Tonmeister oder Musiker eine Vielzahl von Künstlern, neben Avantasia waren dies bislang unter anderem Rhapsody, Kamelot, Ayreon, Edguy, Angra oder Gamma Ray. Exklusiv für Gitarre & Bass erklärt der Niedersachse seinen künstlerischen Spagat zwischen Musiker- und Produzentendasein und spendiert zusätzlich ein paar Empfehlungen für unsere ‚Top Gear Check’-Serie.
Sascha, fühlst du dich eigentlich eher als Musiker oder als Produzent? Wie ist deine persönliche Gewichtung? Und was von beidem macht dir mehr Spaß?
Ich würde sagen, dass sich diese Gewichtung immer an meine jeweilige Situation anpasst. Produziere ich gerade, dann bin ich voll Produzent. Und wenn ich spiele, bin ich fühlender Musiker. Grundsätzlich würde ich mich aber als Musiker bezeichnen, da dies die Grundlage meiner Produzententätigkeit darstellt. Großen Spaß macht mir allerdings beides.
Was hat der Gitarrist Sascha Paeth vom Produzenten Sascha Paeth lernen können? Und umgekehrt?
Das Verhältnis ist kompliziert. In manchen Situationen, besonders live auf der Bühne, würde ich mir den Produzenten in mir gerne wegwünschen, da ich manchmal zu viel über meine Performance nachdenke. Das bewirkt dann eher das Gegenteil und hebt nicht gerade das Selbstbewusstsein. Auf der anderen Seite hilft mir meine Erfahrung in diesem Bereich natürlich auch beim Spielen. Als Produzent hatte ich bislang selten das Gefühl, dass der Musiker in mir meine Arbeit behindert, ganz im Gegenteil: Ich habe es immer eher als Vorteil empfunden.
Wer sind deine musikalischen Vorbilder, und bei welchen bekannten Produzenten kannst du dir noch etwas abschauen? Gibt es für dich in der Geschichte der Rockmusik das ultimative Album mit der perfekten Produktion?
Vorbilder gibt es sehr viele. Ich komme aus einer musikliebenden Familie und bin mit Blues und Rock aufgewachsen. Das reicht von Stevie Ray Vaughan über Deep Purple, Joe Pass und Bob Dylan bis zu Frank Zappa. Aber auch Johann Sebastian Bach war ein früher Einfluss für mich, ich habe Musik generell einfach aufgesogen.
Den größten Einfluss auf mich als Produzent hatte wohl Charlie Bauerfeind, der mich als jungen Bengel unter seine Fittiche genommen hat. So alt war er zu diesem Zeitpunkt selbst noch nicht. Ihm habe ich meinen Einstieg in dieses Thema überwiegend zu verdanken. Danke Charlie! Selbst mitgewirkt hätte ich gerne an Alben wie Jackson Brownes ‚Running On Empty’ oder an ‚Desire’ beziehungsweise ‚Street Legal’ von Bob Dylan, allesamt Alben, die meine „Karriere”, wenn man es denn so nennen kann, nicht unbedingt reflektieren.
TOP GEAR CHECK
Im ‚Top Gear Check’ erzählt Sascha, welches Equipment für ihn unverzichtbar ist.
Hier seine sehr interessante Auswahl:
„Ich lebe und liebe Gear, deswegen ist es für mich nicht gerade einfach, eine relativ begrenzte Anzahl davon herauszustellen. Ich benutze viel Zeug und ändere mein Setup nach Situation und Bedürfnissen. Es gibt allerdings einige Dinge, die für mich essenziell sind und ständig Verwendung finden. Ich versuche hier mal ein paar Sachen vorzustellen.
GITARRE
Ich bin stolzer Besitzer eines Duesenberg-Signature-Models (genannt Sascha Paeth Alliance) und benutze es ständig. Es ist meinen Bedürfnissen angepasst und funktioniert super für mich, sowohl live als auch im Studio. Ich benutze natürlich auch viele andere Gitarren und kann mich kaum entscheiden, einzelne herauszustellen. Ich kann nur eines sagen: Man braucht wirklich viele Gitarren, wie das Sprichwort sagt: Immer eine mehr als man hat! Das Gleiche gilt natürlich auch für Bässe und natürlich Amps, wobei wir beim nächsten Thema wären.
AMPS
Ich liebe die verschiedenen Facetten des Marshall-Plexi-Sounds, man kann fast alles damit spielen. Ich benutze mehrere Geräte, mit denen sich dieser Sound realisieren lässt, vom UA-Lion-Pedal und dem Tone King Royalist über Marshall Vintage Modern, und dem SV20H (Studio-Mini-Plexi) bis zum alten Original. Den Vintage Modern benutze ich häufig auch für High-Gain-Sounds, es klingt mega, wenn man ihn sehr laut spielt.
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Auch habe ich in der letzten Zeit den Engl Straight für mich wiederentdeckt und mehrere Varianten dieses Amps gekauft. Er klingt wahnsinnig gut im High-Gain- und auch im cleanen Kanal. Die supergeile Kompression dieses Amps lässt sich sehr gut spielen und führt zu einem unwahrscheinlich langen Sustain. Außerdem versetzt er mich zurück in meine Jugend, es war nämlich der erste Amp, den ich bei Aufnahmen für eine richtige Platte – ‚In Control’ von Heavens Gate – benutzt habe. Ich werde demnächst mal versuchen herauszufinden, welcher moderne Engl diesem Sound am nächsten kommt und mir den dann auch mal besorgen.
ATTENUATOR
Um diese lauten Röhrenverstärker überhaupt vernünftig betreiben zu können, ist ein guter Attenuator eigentlich unerlässlich. Ich benutze hauptsächlich den Boss WAZA Tube Amp Expander, der besonders gut bei großen Rock- und Metal-Sounds funktioniert und neben dem sehr flexiblen Attenuator auch einige andere Finessen wie einen Class-A/B- Poweramp, diverse Effekte und natürlich eine wunderbare Boxen- und Mikrofon-Simulation integriert hat. Seit ich dieses Gerät besitze, benutze ich wieder größtenteils Röhrenamps, was sehr viel Spaß macht.
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PEDALS
Natürlich braucht man auch enorm viele Pedals, wovon ich tatsächlich eine riesige Menge besitze und somit eigentlich zur Suchtberatung müsste, hahaha. In erster Linie handelt es sich natürlich um Gain-Pedals. Es gibt unterschiedliche Herangehensweisen an dieses Thema, und alles erfüllt seinen Zweck. Ich benutze meistens Variationen von Klons und Tubescreamern, ich liebe die Art, in der etwa die griechische Firma Crazy Tube Circuits an dieses Thema herangeht und benutze beispielsweise regelmäßig deren Crossfire und Unobtanium. Ich experimentiere ständig mit Pedals und werde in diesem Leben wohl kein Ende mehr finden, denn: Alles ist geil!
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INTERFACE UND SOFTWARE
Da ich mein Studio vor einigen Jahren etwas kompakter gestaltet habe, bin ich von einem großen Pro-Tools-TDM-System auf UAD Apollo umgestiegen, allerdings weiterhin mit Pro Tools als Software. Ich benutze Pro Tools schon seit Anfang der 90er Jahre und werde mich wohl auch an nichts anderes mehr gewöhnen wollen. Für mich ist diese Software einfach super intuitiv zu bedienen, besonders im Audiobereich. In den zurückliegenden Jahren ist jedoch auch beim Midi-Handling sehr viel passiert.
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STUDIO-MONITORE
Mir ist erst neulich wieder bewusst geworden, wie wichtig Studiomonitore sind, die wirklich gut und angenehm abbilden, woran man gerade arbeitet. Es macht das Leben einfacher und schöner. Neulich hatte ich die Möglichkeit, zwei verschiedene Modelle der Firma Geithain in meinem Studio zu testen. Das Modell RL 940 konnte ich einfach nicht zurückschicken und musste es kaufen. Ich habe mich eigentlich nur für das größere Modell von zwei super Monitoren entschieden. Zusätzlich zu guten Boxen benutze ich seit neuestem auch die Raumkorrektursoftware SoundID von Sonarworks, die sehr dabei hilft, meine Abhörsituation zu optimieren.
LAST BUT NOT LEAST
Und zu guter Letzt: Instant-Kaffee von Aldi, und ab und zu mit meinem Hund Olaf vor die Tür. Ohne beides geht es nicht!
(Story: Matthias Mineur)